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Vergleich zwischen Gorillas, Schimpansen und Orang-Utans

Als Metapher für die Unterschiedlichkeit der drei psychographischen Grundtypen scheinen die Menschenaffen (besonders die drei aufgeführten) relativ gut geeignet.

Interessant ist, dass die bisherigen Beobachtungen und Recherchen bei ihnen keine Typunterschiede wie beim Menschen erkennen ließ - dies könnte neues Licht auf die Entstehung der Typunterschiede beim Menschen werfen. (W. Winkler, 4/2004)

Merkmal

Gorilla

Schimpanse

Orang-Utan

Körpergröße:

Männchen bis 190cm
Weibchen ca. 150cm

Männchen 120cm
Weibchen 113cm

Männchen 137cm
Weibchen 115cm

Gewicht:

Männchen 130-350kg
Weibchen 60-100kg

Männchen 37-90kg
Weibchen 30-47kg

Männchen 60-90kg
Weibchen 35-50kg

Lebensalter:

35-50 Jahre

40-50 Jahre

40-57 Jahre

Lebensweise:

95% bodenlebend

50/50 Boden und Bäume

95% baumlebend

Tagestouren:

100-3400m

2000-5000m

50-1000m

Sozialstruktur (vorherrschende)

Tendenz zur Haremsbildung mit ca. 11 Mitgliedern

Meist ein Silberrücken als Leittier, dazu wechselnde Anzahl von Weibchen, Jungtieren und Heranwachsenden

ständig wechselnde Großgruppen mit 20-100 Mitgliedern; einzelne Männchen versuchen, sich als Alpha-Tiere durchzusetzen und bilden dazu Koalitionen

verbringen einen Großteil ihrer Zeit mit der Pflege von Sozialkontakten

Männchen einzelgängerisch mit seltenem Kontakt zu Weibchen um Sex zu haben; braucht ein großes Revier

Weibchen ziehen ihre Kinder alleine auf - 2-3 Jahre Entwöhnungszeit

Besonderheiten des Zusammenlebens

formen die stabilsten Sozialstrukturen

Weibchen untereinander haben wenig soziale Kontakte - sie halten sich mit ihren Jungen an den beschützenden Silberrücken

sehen sich nur ins Gesicht, wenn sie streiten, Rangkämpfe ausfechten oder Sex haben möchten

ausgiebiger Mittagsschlaf wird zur Pflege von Sozialkontakten genutzt

sexuell sehr freizügig, setzen Sexualität ein, um Streit zu schlichten oder Nahrung zu erbetteln

machen häufig die Nacht zum Tag und gehen dann sozialen Kontakten nach (Krieg, Streit, Sex)

Berührungen, Umarmungen und Küsse werden als Gruß und zur Beruhigung eingesetzt

sehen sich ständig direkt ins Gesicht, teilen Nahrung miteinander

"ihr Gemeinschaftsleben läuft in einer Art Zeitlupe ab." (Volker Sommer)

langsamste Fortpflanzungsrate aller Primaten

Weibchen wehren sich gegen unerwünschte Paarungsversuche

schwerstes baumbewohnendes Tier

Ältere geben sich als Jungtiere aus, um sich Weibchen nähern zu können

aufschlussreiche Zitate und Beobachtungen

"Feindseligkeiten unter Männchen prägt Begegnungen zwischen Gruppen - was ganz im Gegensatz zum konfliktlosen Leben innerhalb der Gruppe steht." (Volker Sommer)

"Verhalten sich Gorilla-Männchen extrem feindselig gegenüber fremden Kindern, so sind sie äußerst freundlich gegenüber eigenem Nachwuchs." (Volker Sommer)

"Die jungen Gorillas in der Gruppe ignorierten den Pfleger weitgehend, der sich zu ihnen in den Käfig setzte. Stattdessen waren sie magisch angezogen von einer Gruppe Gärtner, die vor ihrem Käfig die Büsche von Laub säuberten. Mehrmals versuchten sie, deren Werkzeuge zu berühren. Wurden sie selbst berührt, flohen sie kreischend. Ihr Spiel bestand vor allem im gegenseitigen Knuffen, auf-den-Kopf-hüpfen und nachjagen." (Werner Winkler über seine Beobachtungen in der Stuttgarter Wilhelma)

"Wir malten mit unserem VHS-Kurs vor dem Gorilla-Käfig. Die Affen ignorierten uns vollkommen und gingen ihren Beschäftigungen nach - erst als ein älterer Kursteilnehmer unvorsichtigerweise über die letzte Treppe vor dem Käfig stolperte, hinfiel und einige Leute versuchten, ihm aufzuhelfen, standen alle Affen hinter der Scheibe, um das Geschehen zu beobachten." (Teilnehmerin eines Malkurses)

"Wenn der Pfleger an den Primaten-Käfigen vorbei läuft, lärmen die Schimpansen und Bonobos, was ihre Lungen hergeben - selbst wenn er kein Futter bringt; sie kennen und erkennen ihn. Gorillas und Orangs machen so etwas nie." (Pfleger der Stuttgarter Wilhelma)

"Es ist kurz vor der Essenszeit, die Schimpansen und Bonobos hören, dass die anderen Menschenaffen schon gefüttert werden und klammern sich an die Gittertür, durch die der Pfleger hereinkommen wird. Dieser muss sowohl zur Begrüßung als auch zum Abschied zahlreiche Hände schütteln und Streicheleinheiten verteilen.

Auch mit den Besuchern kommunizieren diese Affen ständig und offenbar mit großem Vergnügen - vor allem mit den Kindern." (Werner Wiinkler über seine Beobachtungen in der Stuttgarter Wilhelma)

"Nicht allein Körperkraft zeichnet die Siegertypen aus. Geschicktes Koalieren und Taktieren kann einen Mann gleichfalls an die Spitze bringen. Ehrgeiz geht dabei mit Ruchlosigkeit einher.{Volker Sommer)

"Am Abend zuvor hatte er in einer Viertelstunde sein Nachtnest gebaut, mit Blättern ausgepolstert und Zweige entfernt, die ihn hätten pieksen können. In der Frühe beobachtete ihn Harrison von einem Nachbarbaum aus: Der Dschungelmann setzte sich aufrecht, schaute herum, kratzte seinen Rücken. Er schob seine Ellenbogen seitwärts, rieb mit den Fäusten die Augen; atmete tief ein, drückte seinen Rücken gerade durch und warf die Arme zur Seite, erst eine Faust, dann die andere. Fiel wieder in sich zusammen, atmete aus. Saß, um über den Nestrand nach unten zu blicken. Er kratzte seinen Rücken zwischen den Schulterblättern, langsam aber fest, wieder und wieder. Er reckte sich noch einmal, wobei er diesmal seine Beine bog und streckte; saß eine Weile starrend herum, als ob er über den neuen Tag nachdachte ..."

(über das Aufwachen eines alten Orang-Mannes)

"Der Orang-Mann sah, dass ich ihn mit meiner Kamera einzufangen versuchte. Zuerst hob er eine Augenbraue, dann verbarg er sein Gesicht geschickt hinter einer Stange." (Werner Winkler über seine Beobachtungen in der Stuttgarter Wilhelma)

"Orangs mögen es, körperlich berührt zu werden. Einmal kam ich im Dschungel unabsichtlich einem Orang-Nest zu nahe - da raste der Orang mit einer ungeahnten Geschwindigkeit los und ich bin ihm nur mit Mühe entkommen." (Orang-Pfleger).

 

Gorilla-Junges beobachtet interessiert einen Gärtner bei der Arbeit;
mehrmals versucht es, durch die Stäbe hindurch seine Werkzeuge zu
berühren.

Schimpansen versuchen, sich als Alpha-Tiere durchzusetzen; dazu nutzen
sie nicht nur Alter und Körperkraft, sondern auch beziehungstaktisches
Geschick.

Orang-Utans bewegen sich so langsam, dass sie nicht einmal ihre Füße vom
Boden heben, um zum Futter zu gelangen. Auf Reize von außerhalb des Käfigs
reagieren sie nur sehr verstohlen, etwa durch Heben einer Augenbraue.

Bonobos wurden früher als "Zwergschimpansen" zu den Schimpansen gerechnet -
heute sieht man in ihnen eine eigene Menschenaffen-Art. Bonobos sind uns
genetisch am ähnlichsten, ihr Sozialverhalten ist stark differenziert wobei die
Frauen das Regiment führen.

In gewisser Weise zeigen sich bei Menschen Eigenschaften aller drei Menschen-
affen-Arten, was die Kommunikation zwischen ihnen regelmäßig zu einer
"babylonischen Sprachenverwirrung" werden lässt. Es gibt jedoch durchaus
Ausnahmen, wie diese Aufnahme vom 5. Psychographie-Tag 2003 in Stuttgart
zeigt, auf der alle drei Grundtypen vertreten sind.

 

Literatur/Quellen:
Sommer/Ammann: Die großen Menschenaffen
Godall: Leben mit den Schimpansen
Galdikas: Meine Orang-Utans
Baumgärtel: Unter Gorillas
Kleemann: Die peinlichen Verwandten
Simons: Problemverständnis und Problemlösungsverhalten bei Primaten
mündliche Auskünfte eines Primatenpflegers der Stuttgarter Wilhelma