Sich selbst und andere besser verstehen:
P  S  Y  C  H  O  G  R  A  P  H  I  E
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Texte/Motive zur freien Verwendung (mit Quellenangabe: www.psychographie.de)

Die folgenden Texte und Motive können unverändert übernommen und mit der Quellenangabe "www.psychographie.de" oder "Autor: Werner Winkler" publiziert werden.

 

Landkarte der Psychographie (jpg-Datei - für höhere Auflösung bitte anklicken oder separate Datei anfordern)

Die vier Prozesskreise zeigen:

1. die Abfolge von Bevorzugungen (Stärken), Vernachlässigungen (Ressourcen) und Ergebnisbereichen (Kontrolleuren);

2. die Lösungsprozesse auf den vier wesentlichen Ebenen, und

3. die 12 Lebensbereiche zur Typus-Unterscheidung.

In diesem Modell sind die als wesentlich angesehenen 'Lebensbereiche' zusammengefasst. In der Mitte die drei Bereiche, die für die Grundtypen entscheidend sind, außen die 'Unterbereiche' - daraus lassen sich die 'Untertypen' ableiten. Die Pfeile geben die Richtung an, in der sich erfahrungsgemäß Lösungsansätze finden lassen.

Auf allen vier Ebenen (der Grundebene innen und den drei Unterebenen außen) zeigen Menschen eine Bevorzugung und eine Vernachlässigung. Dabei folgt die Vernachlässigung in der Regel in Pfeilrichtung auf die Bevorzugung.

Bsp.: Bevorzugt jemand den Bereich "Zukunft", vernachlässigt er meist den Bereich "Gegenwart" - bevorzugt er "Fühlen", vernachlässigt er "Denken".

 

Typenbild Beziehungstypus

Was für Handlungstypen eine schwierige Angelegenheit ist, fällt Beziehungstypen eher leicht: private, persönliche Beziehungen knüpfen. Dafür haben sie es mit dem Lebensbereich 'Zeit' schwer. Zum Bereich 'Zeit' gehören auch Themen wie Existenz, Dasein oder Geld. In diesen Dingen sind Beziehungstypen weniger daheim, sie müssen sich darin erst anhand von Lebenserfahrungen einrichten. Wenn man Beziehungstypen fragt, wie es ihnen geht, sagen sie oft "ich habe keine Probleme"; wenn sie leiden, dann an Zusammenhängen bzw. an der Gesamtsituation, nicht an einem speziellen Problem/Thema.

Für Beziehungstypen ist es völlig normal, sich für alles Mögliche zu interessieren. Pro Jahr ein bis zwei neue Interessensgebiete sind nichts Ungewöhnliches für sie. Dabei genügt ihnen meist eine oberflächliche Information; für die genauen Einzelheiten sind sie nur zu begeistern, wenn sie zum Thema irgendwie in besondere Beziehung kommen. Erst dann wird aus der eher kindlichen Neugier ein ernsthaftes Interesse, für das sie auch bereit sind, ihre Zeit und ihr Geld zu opfern. Oft hängt das Interesse von Beziehungstypen damit zusammen, dass eine zwischenmenschliche Komponente im Spiel ist.

Überhaupt lieben sie es bunt und vielfältig. Sie sprühen manchmal nur so vor Ideen, sie sind innovativ und fantasievoll, nur fehlt ihnen meist die Geduld, begonnene Projekte zu pflegen, um dann deren Früchte zu ernten. Gut für Beziehungstypen ist es, wenn in ihrem Team genug Sachtypen dabei sind, die sich um Details, Konstanz und Finanzen kümmern. Vermutlich werden es aber Handlungstypen sein, die für den Erfolg verantwortlich zeichnen, denn in deren Händen werden Projekte offensiv in die Tat umgesetzt.

Beziehungstypen zeigen (besonders in Beziehungsdingen) schauspielerische Begabung. Sie können in den jeweiligen Rollen völlig aufgehen. Dabei sparen sie nicht an Dramatik; der Satz: "bei Beziehungstypen jeweils die Hälfte abziehen, dann kommt man der Wahrheit nahe" bestätigt sich immer wieder. Mit diesen Fähigkeiten sind Beziehungstypen aber genau die Richtigen, wenn es darum geht, andere für Ideen und Projekte zu begeistern oder schöne Dinge zu verkaufen. Sie lassen sich von Kritik, solange sie sich geliebt fühlen, nicht sofort bremsen. Im Gegenteil: Beziehungstypen nutzen Kritik umgehend und freuen sich darüber, dass man sich für sie Zeit nimmt.

Für Beziehungstypen ist es wichtig, dass sie als attraktiv oder anziehend gelten. Unter Ignoranz oder Desinteresse leiden sie aber nicht so sehr wie andere; für sie ist es nur der Ansporn, noch mehr Intensität in ihre Bemühungen zu legen. Gerne setzen sie ihr weit gefächertes Beziehungsnetz ein, um eine Sache voranzubringen. So können Beziehungstypen etwa eine größere Veranstaltung innerhalb kurzer Zeit durch einige Telefonanrufe auf die Beine stellen.

Kennzeichnend für Beziehungstypen ist, dass sie leiden, wenn sie sich ungeliebt oder hilflos erleben. Genauso schlimm ist es für sie, wenn man sie von fachlich kompetenter Seite als dumm darstellt. Die Wohnungen (Büros, Zimmer) der Beziehungstypen lassen etwas von ihren vielfältigen Interessensgebieten ahnen. Häufig findet sich darin (wie auch in ihrer Vorstellungswelt) eine Sammlung von allerlei 'Schönem, Wahrem und Gutem'. Beziehungstypen mögen es auch in ihrer persönlichen Umgebung farbig, sie setzen die Gegenstände liebevoll in Beziehung zueinander, verbinden scheinbar nicht zusammengehörige Accessoires nur durch die Art der Dekoration. Dabei haben sie stets die Wirkung im Blick, manchmal geht dieses 'Perfekt-Haben-Wollen' über die Grenzen des (für andere) Erträglichen oder ihres Geldbeutels hinaus.

Typisch für Beziehungstypen - vor allem in jungen Jahren - ist ihre Gutgläubigkeit. Sie müssen das Zweifeln und das kritische Denken erst mühsam lernen. Dies kann zum Beispiel dazu führen, dass Beziehungstypen drei sich widersprechende Ansichten für wahr halten. Meist wird dies als Fähigkeit zu positivem Denken oder Offenheit in Erscheinung treten und wenig Schaden anrichten. In existenzieller Hinsicht kann dieser Mangel an Sachlichkeit und Realitätssinn aber dazu führen, dass sich Beziehungstypen ungenau informieren und dadurch in Schulden oder Abhängigkeiten geraten. Die Folgen sind allzu oft geplatzte Träume oder Hilflosigkeit. Vergeblich halten sie dann nach einem 'Retter aus allen Nöten' Ausschau.

Dabei übernehmen Beziehungstypen liebend gerne selbst die Retterrolle für Dritte, auch auf Kosten des eigenen knappen Zeit- oder Geldkontos. Zu spät erkennen sie, dass sie das Opfer z.B. eines Aufmerksamkeit fordernden Menschen wurden (und dieser gar nicht 'gerettet' werden wollte). Dann bleibt nur noch die Flucht oder der Rückzug, was den darin geübten Beziehungstypen meist gut gelingt. Doch daraus kann emotionale Auszehrung oder übersteigertes Misstrauen resultieren. Es dauert aber lange, bis Beziehungstypen in einer leidvollen Situation tatsächlich ein Problem sehen. Aus gewohnheitsmäßiger Zufriedenheit können sie nur schwer Hilfe annehmen.

Auf andere Typen wirken Beziehungstypen häufig unernst, verspielt oder kindlich. Gerne benutzen sie Adjektive, um ihre Erzählungen anzureichern. Auch an ihrer künstlerischen, experimentierfreudigen oder ausgeschmückten Handschrift lassen sich Beziehungstypen manchmal erkennen. Generell kann man die Handschrift aber nur als einen Hinweis auf den Typ verwenden - besonders dann, wenn man von vielen Menschen sowohl Handschrift als auch den dazugehörigen Typ kennt.

 

 

Typenbild Sachtypus

Sachtypen bevorzugen den Lebensbereich "Zeit". Dafür vernachlässigen oder unterschätzen sie den Bereich "Tätigkeit". Anstatt mit "Zeit" ließe sich der sachtypische Bereich auch mit "zeitliche Existenz" oder "Erkenntnis des Daseins" bezeichnen.

Sachtypen erleben sich also eher als 'Seinswesen' denn als tätige Menschen. Für sie ist die Zeit etwas besonders Reales, dagegen sind sie sich häufig nicht bewusst, was sie durch ihr Tun (oder Nicht-Tun) bewirken. Dies kann dazu führen, dass sie sich als 'Opfer' erleben und keine Möglichkeit sehen, auch 'Täter' zu sein. Wenn sie infolgedessen die Verantwortung für die aktiven Gestaltungsmöglichkeiten des Lebens abgeben, entgeht ihnen auch das Erleben des Erfolgs.

Da Sachtypen mit der Zeit 'verheiratet' sind, sind sie wesentlich genauer, konzentrierter und mehr 'bei der Sache' als die ablenkbaren Beziehungstypen. Nicht zufällig finden sich in Berufen, bei denen Geduld und Ausdauer verlangt wird (wie bei der Erstellung von Computerprogrammen) überdurchschnittlich viele Sachtypen. Das Gleiche dürfte für die Mathematik, die Statistik oder für analytische Tätigkeiten gelten. "Auf die Schnelle kann ich dazu nichts sagen" oder "Da muss ich erst einmal genau nachforschen" sind für Sachtypen typische Antworten. Bevor sie Mühe (oder Geld) aufwenden und sich motivieren lassen, wägen sie die Erfolgsaussichten genau ab.

Die meisten Sachtypen haben auch eine Tendenz zur Unentschiedenheit. Was oft eine Stärke ist, nämlich ihre Fähigkeit, den Dingen auf den Grund zu gehen und alle Aspekte eines Themas genau zu kennen, wird ihnen (und manchmal ihren Mitmenschen) ebenso häufig zur Last.

Sie bleiben dadurch lange in der 'Vielleicht'-Haltung oder sie sagen zwar "Ja", tun gleichzeitig aber alles, um noch nicht die Konsequenzen ziehen zu müssen. Der Grund für solches Verhalten ist die Schwierigkeit, deutlich "Nein" sagen zu können. Sachtypen sind eben besonders vorsichtig und behutsam - was sie auch zu angenehmen 'Zeitgenossen' macht. Wenn sich Sachtypen für ein Thema interessieren und sie sich außerdem einen praktischen (oder finanziellen) Nutzen davon versprechen, lernen sie leicht und gründlich. Sie können sich hervorragend auf den Stoff konzentrieren und selbst Details speichern. Dafür tun sie sich bei praktischen Aufgaben etwas schwerer. Dieses Manko machen sie durch Ausdauer wett.

Typisch für Sachtypen ist auch, dass sie mit Kritik nicht so gut umgehen können wie etwa Beziehungstypen. Sachtypen sollte man nur kritisieren oder korrigieren, wenn sie dies wünschen. Und selbst dann ist es besser, möglichst objektiv und sachlich zu bleiben und die Anstrengung und Mühe anzuerkennen, die sie sich gemacht haben; denn Anerkennung und Beachtung sind für Sachtypen so etwas wie ihr Lebenselixier. Erleben sie sich von ihrer Umgebung ignoriert oder missachtet, können sie mutlos und passiv werden. Besonders ihre Erfolge sollten Anerkennung finden; Sachtypen mögen es meist auch, wenn man sie körperlich wahrnimmt - z.B. einen festen Händedruck, eine Berührung am Arm /an der Schulter oder eine kurze, deutliche Umarmung je nach Anlass (und Kultur).

Durch sportliche Aktivitäten erleben sich Sachtypen als lebendig - dann spüren sie ihren Körper, was für sie eine Steigrung ihrer Lebensqualität bewirkt. Im äußersten Fall können sie sich körperliche Zuwendung sogar durch Krankheiten 'erkaufen'. Dies tun sie natürlich nicht bewusst, es ist manchmal aber eine Möglichkeit, die notwendige Aufmerksamkeit zu bekommen. Auch können sie ihre körperlichen Grundbedürfnisse über lange Zeit ignorieren. Da ihre Leidensfähigkeit sehr ausgeprägt ist, macht ihnen das weniger aus, als überhaupt nicht wahrgenommen zu werden. Manche Magersucht z.B. könnte mit diesem Wissen leichter zu verstehen sein.

Mitleid hilft Sachtypen in der Regel nicht. Es nützt ihnen auch nicht, viel über ihre Probleme zu reden. Dagegen kann das Zutrauen in ihre eigene Lösungskompetenz oder die Frage nach ihren Zielen wahre Wunder bewirken. Nach Friedmann ist es entscheidend, dass man 'dahinter bleibt', d. h., sie ihre Fortschritte und Lösungen selbst in die Wege leiten lässt. Auch die Aufforderung, sich an frühere Erfolge und Kompetenzen zu erinnern, motiviert sie für die aktuellen Aufgaben.

Weitere sachtypische Möglichkeiten, Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen, sind rebellisches Verhalten, Verweigerung, Unordentlichkeit, Geheimniskrämerei oder ein sehr individuelles Äußeres. Wenn Sachtypen jedoch erkennen, dass man sie auch ohne diese Auffälligkeiten bemerkt und ihre Fähigkeiten anerkennt, werden sie vermutlich bald darauf verzichten. Man tut - etwa, wenn man es beruflich oder in der Familie mit Sachtypen zu tun hat - gut daran, deren Stärken und Können zu beachten und eher destruktive Aufmerksamkeitsbemühungen nach Möglichkeit zu ignorieren.

Sachtypen erleben sich oft als verletzliche, zarte Wesen. Sie finden schwer einen festen Halt im Leben oder bei anderen Menschen. Daher ist verständlich, dass sie sich an jeden Strohhalm klammern. Sie halten lange an einer Beziehung oder am Arbeitsplatz fest, auch wenn sie darunter leiden; bevor sie sich verabschieden, machen sie sich schon vorsorglich auf die Suche nach geeignetem Ersatz. Hier kommt ihnen ihre Fähigkeit zur Zweigleisigkeit zu Hilfe. Was auf den ersten Blick nach Treue aussieht, könnte also durchaus auf einen Mangel an Alternativen zurückzuführen sein. Findet sich eine solche, kann der Wechsel relativ plötzlich stattfinden.

 

 

Typenbild Handlungstypus

Von der theoretischen Seite des psychographischen Modells gesehen wird der Handlungstypus dadurch gekennzeichnet, dass er den Lebensbereich 'Tätigkeit' bevorzugt und dafür den Lebensbereich "Beziehung" vernachlässigt. Der Beziehungsbereich bildet somit seine Ressource, d.h. Lösungsansätze werden für ihn häufig in diesem Bereich zu finden sein. Umgekehrt lässt sich schlussfolgern, dass Handlungstypen im Beziehungsbereich auch die meisten Schwierigkeiten haben.

Aus der Beobachtung von Handlungstypen ergibt sich folgendes Typenbild:

Weil der bevorzugte Lebensbereich der Handlungstypen die Tätigkeit ist, sind sie praktisch veranlagte, kraftvolle Menschen, die deutlich zeigen, was sie können. Ihre Fähigkeiten werden deshalb von Kollegen, Kunden und Vorgesetzten besonders geschätzt; ihre Zuverlässigkeit macht sie für Führungsaufgaben hervorragend geeignet. Auch im privaten Bereich machen sie Tatkraft und Berechenbarkeit zu wertvollen Freunden. Dabei ist es nicht einfach, Handlungstypen als nahe Freunde zu gewinnen, denn Beziehungsdinge handhaben sie eher zurückhaltend. Für einen kollegialen Austausch über berufliche Angelegenheiten jedoch sind sie in der Regel aufgeschlossen.

Handlungstypen können streitlustig bis kampfbereit auftreten, vor allem, wenn es darum geht, einmal gesetzte Ziele zu erreichen. Dies führt manchmal zu perfektionistischen bis zwanghaften Tendenzen. Sie sind regelmäßig bereit, Beziehungsaspekte (auch die Beziehung zum eigenen Körper und dessen Belastungsgrenzen) für ihre Karriere oder den Erfolg zurückzustellen. Für Handlungstypen ist ihre Arbeit (auch die Haushalts-, Garten- oder Erziehungsarbeit), ihr Schaffen und Können meist der Mittelpunkt ihres Lebens.

Handlungstypen sind durch die Tendenz zur 'Nein-Haltung' gekennzeichnet. Diese kann sich bis zu einer grundlegend negativen Weltsicht verfestigen, die ihnen jegliche Lebensfreude raubt. Verstärkend dafür kann auch das reflexartige Streben nach 'immer mehr' sein. Handlungstypen verpassen somit leicht den Genug-Punkt, der meist deutlich unterhalb ihrer Perfektionsbestrebungen liegt. Am Ende dieser Entwicklung steht nicht selten ein Zusammenbruch oder ein Herzinfarkt. Bei nicht erreichter Perfektion fühlen sich Handlungstypen verantwortlich bzw. schuldig, was den bereits aufgebauten Druck weiter verstärkt. Dies zeigt sich etwa in wiederholten Rechtfertigungen, auch vorbeugender Art ("Entschuldigen Sie bitte, dass ich nicht mehr Zeit für Sie einplanen konnte ...").

Im Umgang mit Macht sind Handlungstypen fair, gerecht und diplomatisch (solange es nach ihren Regeln läuft). Auch in der Elternrolle, die ihnen wie auf den Leib geschrieben ist, gehen sie voll auf ('Übermutter'/Patriarch). Dies bedeutet für sie aber eher das Tätigsein zum Wohle der Familie als den Ausbau von persönlichen, auf gegenseitigem Wunsch nach Nähe basierenden Beziehungen. So ist für Handlungstypen eine Partnerschaft manchmal eher eine Arbeit oder ein 'Arrangement' und weniger eine Beziehungsangelegenheit. Das könnte ein Grund für die zeitlich relativ stabilen Verbindungen sein, die bei ihnen zu beobachten sind. Auch wenn die Beziehungsebene nicht sehr beglückend erlebt wird, funktioniert doch die praktische Seite des Zusammenlebens, also existiert kein Anlass für eine Änderung.

Weniger Beziehung wirkt so paradoxerweise stabilitätsfördernd für die Verbindung. Des-halb erproben Handlungstypen ihre Beziehungsfähigkeit statt mit dem Partner auffallend oft lieber mit ihren Kindern, Enkeln, engen Freunden/Freundinnen, Haustieren, Pflanzen oder bei der Beschäftigung mit einem Steckenpferd (zu diesen Hobbys haben sie dann einen ganz besonderen Bezug).

Die Kombination von Handlungstypus-Persönlichkeit und übertriebenem Machtstreben kann ganze Gruppen in ein Korsett aus Regeln, Ordnungswut und Betriebsamkeit zwängen. Dabei schützen sich Handlungstypen vor zu nahen Beziehungen durch abstandwahrendes, aber korrektes Verhalten. Dies ist nicht nur in Familien, sondern oft auch in Firmen oder Organisationen zu beobachten.

Auffallend bei Handlungstypen ist die gezielte Auswahl von Kleidung oder Schuhen, bei der qualitativ hochwertige Markenware bevorzugt wird. Genauso typisch ist die Eigenart, den Küchenbereich und das Bad besonders sauber zu halten - oft wird sofort nach (oder bereits während) dem Kochen damit begonnen, die benutzten Utensilien sauber zu machen und wieder ordentlich an ihren Platz zu räumen. Schreibtische und Gärten von Handlungstypen bestechen gewöhnlich durch vorbildliches, ordentliches Aussehen.

Ebenfalls kennzeichnend für Handlungstypen ist das Bedürfnis nach ungestörtem Schlaf. Auf Unterbrechungen der nächtlichen Ruhe (z.B. durch Lärm) reagieren sie besonders verärgert. Handlungstypen schlafen gerne vor dem Fernseher bzw. auf dem Beifahrersitz ein oder profitieren von einem kurzen Nickerchen in Pausen. Der Gang zum Arzt wird von Handlungstypen nach Möglichkeit vermieden. Krankheiten werden als Zumutung erlebt; erst wenn es 'nicht mehr anders geht' (wenn die Beschwerden die Leistungsfähigkeit reduzieren), suchen sie fachliche Hilfe. Mediziner sollten also dramatische Äußerungen von Handlungstypen über ihr Befinden besonders ernst nehmen und rasch reagieren.

Weitere typische Eigenschaften von Handlungstypen sind hohe Verantwortungsbereitschaft, ausgeprägtes Pflichtbewusstsein, Trinkfestigkeit und Mangel an Fantasie.

 

 

Vorläufer der modernen Psychographie

Seit der Antike gab es Versuche, Charakterunterschiede in Form von Typologien zu fassen. Bis heute spricht man z.B. (nach Hippokrates) von "Cholerikern" oder "Melancholikern".

Etwas Neues führte Eduard Spranger (1882-1963) ein: er sah Zusammenhänge zwischen Stärken und Schwächen innerhalb der Persönlichkeit. Ähnliches kommt auch im Enneagramm vor, einer lange nur mündlich überlieferten Typologie mit neun Typen.

Sigmund Freud (1856-1939) benutzte die Begriffe 'Ich', 'Es' und 'Über-Ich' - ein früher Hinweis auf unterschiedliche Anteile der menschlichen Persönlichkeit.

C. G. Jung (1875-1961) veröffentlichte ein Werk mit dem Titel "Psychologische Typen". In den Sprachschatz eingegangen sind daraus die Begriffe 'introvertiert' und 'extravertiert'.

Alfred Adler (1870-1937) versuchte in seinem Buch "Menschenkenntnis" ebenfalls, verschiedene Charaktere zu unterscheiden. Adler bezog sich dabei meist auf typische Erkrankungen; eine systematische Typologie hat er nicht entworfen.

Eric Berne (1910-1970) entwickelte 1949-1960 seine 'Transaktionsanalyse'. Er schrieb: "... dass unser Fühlen, Denken und Verhalten von jeweils verschiedenen Anteilen in unserer Persönlichkeit bestimmt werden, die als Eltern-Ich, Erwachsenen-Ich oder Kind-Ich bezeichnet werden." Berühmt wurde dieses Modell vor allem durch den Psychiater Thomas Harris und dessen Buchtitel "Ich bin o.k., du bist o.k.". Dietmar Friedmann* bezog sich 1990 in "Der Andere" ausdrücklich auf Berne.

Den Begriff 'Psychographie' in die Psychologie eingeführt hat Gordon W. Allport (1897-1967), der Begründer der 'Personalen Psychologie'. Nach seiner Auffassung geht die Psychographie davon aus, "... dass das Individuum (..) durch Maßzahlen (Bewertungen) in einem Psychogramm deutlich gemacht werden kann." (nach Dorsch, Psychologisches Wörterbuch) Der Ansatz Allports hatte jedoch über die psychologischen Fachkreise hinaus keinen erkennbaren Einfluss, auch wenn sein Beitrag von anderen Autoren gewürdigt wird.

 

 

Die Psychographie seit 1990

Dietmar Friedmann (geb. 1937) benutzte den Begriff 'Psychographie' 1990* in seinem Buch "Der Andere" im Sinne von "Landkarte der Persönlichkeit".

Er interpretierte Persönlichkeitsunterschiede als Reaktionen auf "drei eigengesetzliche Lebensbereiche". Diese hatte er schon 1976 (in seiner Dissertationsarbeit zum Dr. phil.) als Unterscheidung von "Emanzipation, Identität und Erkenntnis" angedacht.

Erst in "Der Andere" aber folgerte er aus der Unterscheidung von Lebensbereichen ("Handeln, Erkennen, Sich-in-Beziehung-Setzen") auch die Möglichkeit einer Unterscheidung von Persönlichkeitstypen. Er wählte dafür die Bezeichnungen "Handlungstyp", "Sachtyp" und "Beziehungstyp".

W. Winkler (ein Schüler Friedmanns) veröffentlichte zunächst (Januar 1999) das Lehrheft "Kurze Einführung in die Psychographie", eine Zusammenfassung der Psychographie nach D. Friedmann. Darin war bereits eine Modellerweiterung ('Ich-Wir-Du-Konzept') enthalten. Im Oktober 1999 stellte er in "Die Psychognomie des Menschen" ein eigenes psychographisches Modell vor, das im Wesentlichen dem von Friedmann folgt, jedoch eine differenzierte Unterscheidung in 81 Persönlichkeitsstrukturen (Psychognomien) ermöglichte. Winkler beobachtete und beschrieb die gleichen Prinzipien, die Friedmann für die Grundtypen erkannt hatte (Bevorzugungen, Vernachlässigungen, Entwicklungstendenz etc.) auch für die Untertypen.

Anfang 1999 wurde in Stuttgart unter Beteiligung von Friedmann und Winkler die Psychographie-Initiative e. V. gegründet. Ihr Ziel ist die Förderung der Psychographie in Forschung und Anwendung. Seit 1999 findet auf ihre Einladung jährlich ein Fachkongress, der 'Psychographie-Tag' in Stuttgart statt. Die Psychographie-Initiative initiierte diverse Arbeitskreise, Fortbildungen oder Erfahrungsaustausch-Gruppen verschiedener Anwendungs-Fachbereiche; inzwischen findet der Austausch bevorzugt über ein Forum im Internet (www.psychographen.de) oder auf einer jährlichen Klausurtagung statt.

Seit Juni 2005 gibt es eine Kooperation von Psychographen (www.team81.de) mit dem Ziel, die psychographischen Erkenntnisse in Unternehmen umzusetzen und zu vermitteln. Im Mai 2006 regte Jean Pierre Simonetta aus Winterthur an, als fachsprachliches Pendant zu "Typ" öfters das ursprüngliche Wort "Typus" zu verwenden, um so der Trivialisierung des Typbegriffs ("ein cooler Typ" etc.) entgegenzuwirken. Seitdem werden beide Begriffe parallel benutzt.

Kennzeichnend für die Psychographie ist die Verknüpfung mit den lösungsorientierten Vorgehensweisen nach Paul Watzlawick und Steve de Shazer, weshalb sie auch "lösungsorientierte Menschenkenntnis" genannt wird.

 

Psychographie: Wirklichkeit, Dogma oder Modell

Was ist ein Modell?

Die Psychographie versteht sich als ein Teil der Persönlichkeitspsychologie und damit als wissenschaftliche Disziplin. In den Wissenschaften werden etwa dann Modelle benutzt, wenn der Gegenstand der Untersuchung nicht sichtbar oder darstellbar ist. Ein Modell ist wie eine Landkarte, nicht wie eine Landschaft. Es soll als möglichst treffendes, aber vereinfachtes Abbild der Wirklichkeit das Verstehen erleichtern. Dabei bleibt es aber immer eine Idee und als solche diskutierbar, veränderbar und ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit. Über die Verwendungshäufigkeit eines Modells entscheidet in der Regel die praktische Bedeutung im Vergleich mit anderen Modellen, die sich demselben Gegenstand widmen.

Zu zwei anderen Betrachtungsweisen steht das Modelldenken jedoch im Gegensatz: Einerseits zum Dogma, das den Anspruch erhebt, Unsichtbares trotz der Verwendung von Sprache richtig und verbindlich zu beschreiben. Andererseits zu den für jedermann gleich wahrnehmbaren und anhand praktischer Experimente beweisbaren Naturgesetzen.

Die Verwechslung dieser Betrachtungsweisen stellt eine Gefahr für alle Wissenschaften, besonders aber für die Psychologie dar. Auch die Psychographie wird von manchen Psychographen für 'die Wirklichkeit' und nicht (nur) für ein Modell gehalten. Der Eindruck, dass die psychographischen Typen (unabhängig vom Betrachter) tatsächlich existieren, kann dadurch entstehen, dass sich viele Menschen übereinstimmend* darauf beziehen.

Im Gegensatz zu einem Dogma ist das Modelldenken jedoch entwicklungs- und fehlerfreundlicher, denn ein Modell lässt sich jederzeit verändern, kritisieren oder erweitern. Falls eines Tages objektiv messbare Typunterschiede entdeckt würden, entstünde eine neue Situation. Also sind die psychographischen Typen z.B. im Rahmen eines Seminars oder im Gespräch zwischen Psychographen durchaus 'wirklich' existent, jedoch nicht im selben Sinne wie die Personen selbst 'wirklich' sind. Eine Zwischenform beider Betrachtungsweisen wären etwas die Blutgruppen - hier benötigt der Untersuchende ein Vergleichsmuster, anhand dessen das Blutbild abgeglichen und zugeordnet wird.

 

Beispiele für Anwendungsfelder der Psychographie

Grundsätzlich betrachtet befasst sich die Psychographie mit vielen Themenbereichen, wie zum Beispiel:

- Menschenkenntnis im Alltag

- Persönlichkeitsunterschiede

- Entwicklungsprozess der Persönlichkeit

- Interaktionen zwischen Eltern und Kindern

- Interaktionen zwischen Erwachsenen (Paaren, Kollegen, Familienmitgliedern)

- Identität, Selbstverständnis, Stärken/Schwächen

- Problemlösung

- Umgang mit Patienten, Klienten und Kunden

- Verständnis für Unterschiede zwischen Menschen

- Verstehen der Phänomene 'gleiche Wellenlänge', 'Doppelgänger', 'spontanes Verständnis'

- Unterschiede zwischen Geschwistern

 

Typanalysen

Bei einer psychographischen Typanalyse werden sowohl der Grundtyp als auch der Untertyp ermittelt. Eine Typanalyse dauert in der Regel zwischen einer und zwei Stunden. Zentrales Thema der psychographischen Sichtweise ist das Erkennen der jeweiligen Gewichtung innerhalb der Person, d.h. welche Stärken (Bevorzugungen) und Schwächen (Vernachlässigungen) sich zeigen.

 

Typgerechter Umgang mit Kindern und Schülern

Gerade in Gruppen oder Klassen mit 'schwierigen' Kindern ermöglicht die Psychographie passgenaue Interventionen und gezielte Förderung des Einzelnen. Außerdem erkennen die agierenden Personen sich wiederholende Interaktionsmuster, die sich aus der Unterschiedlichkeit der Typen ergeben - diese können dann zum beiderseitigen Nutzen verändert werden.

Eltern und Großeltern profitieren genauso wie die Kinder selbst vom typgerechten Umgang - auch dadurch, dass nicht alle Geschwister 'über einen Kamm geschoren' werden.

 

Ziel der Psychographie

Die Psychographie stärkt soziale Kompetenzen und Selbsterkenntnis, erhöht die Teamfähigkeit und erleichtert den Umgang mit anderen im beruflichen wie auch im privaten Bereich. Sie bietet eine Erklärung für Persönlichkeits-Unterschiede, die häufig Anlass von Missverständnissen sind.

Das zentrale Ziel der Psychographie ist, sich selbst und andere besser zu verstehen und auf diesem Wegdie Voraussetzung für einen typgerechten Umgang miteinander zu schaffen. Die Anwendung der Psychographie eröffnet uns neue Spielräume in vielen Alltagssituationen, in denen wir es mit anderen Menschen zu tun haben.

Darüber hinaus geht es auch um praktische Erkenntnisse, z.B.

- persönliche Stärken und Schwächen

- was unterschiedliche Typen ärgert

- was unterschiedlichen Typen hilft oder nützt

- welche Probleme und Beschwerden typisch sind

- welche Lösungsansätze typisch und hilfreich sind

- wie man Kinder typgerecht erziehen kann

- wie Schüler typgerecht lernen können

- inwiefern Paare oder Teams aus unterschiedlichenTypen besser harmonieren und kommunizieren bzw. Missverständnisse vermieden werden können

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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