"Wer sich selbst fehlt, kann nur dadurch geheilt werden, dass man ihm sich selbst verschreibt."

(Novalis, Bd.II, 666)

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Typenbilder der Untertypen: Du-Bezogene

 

Was versteht man unter Du-Bezogenen?

Unter Du-Bezogenen verstehen wir hier Menschen, die Beziehungen zu einem Du (dem Gegenüber) bevorzugt wahrnehmen und dafür die Beziehung zum eigenen Ich vernachlässigen.

 

Woran erkennt man (sich als) einen Du-Bezogenen?

- redet vom Du, obwohl von sich selbst erzählt wird

- denkt, macht oder fühlt mit dem Gegenüber fast automatisch mit; kann sich gut auf den anderen einlassen

- vernachlässigt das eigene Ich; hat den Eindruck, sich im anderen zu verlieren; definiert sich über andere Menschen

- erlebt sich als zu egoistisch, wenn etwas nur für sich selbst gemacht oder an sich gedacht wird

 

Tipp für den Umgang mit Du-Bezogenen:

Du-Bezogene werden rascher als andere auf Sie zugehen oder sich für Sie interessieren. Damit gerät der Du-Bezogene jedoch in eine Einbahnstraße - um das zu vermeiden, können Sie ihn etwas nachahmen und ebensoviel Interesse an seiner Person oder an seinen Themen zeigen.

 

Typische Probleme und Lösungsansätze der Du-Bezogenen:

Durch das starke Bezugnehmen auf ein Gegenüber bleibt leicht das Ich auf der Strecke. Eigene Bedürfnisse, Beziehungen und Aktivitäten sind schnell in Gefahr, für den anderen geopfert zu werden. Oft plagt den Du-Bezogenen ein schlechtes Gewissen, wenn er sich ausnahmsweise mehr um sich selbst kümmert.

Gerade im Kontakt mit nahen Gegenübern (Partner, Eltern, Kinder, gute Freunde) ist es für ihn wichtig, die eigene Person bewusst wahrzunehmen oder sich eine 'Du-Pause' zu gönnen und dem Ich mehr Raum zuzugestehen - auch wenn das am Anfang gewöhnungsbedürtig ist.

 

Tipps für den Umgang mit Du-bezogenen Kindern:

- entziehen Sie dem 'Du-Kind' Ihre Aufmerksamkeit und Zuwendung nicht zu lange

- wenn es die Du-Bezogenheit übertreibt (z.B. oft sagt "du bist Schuld daran, dass ..."), machen Sie ihm immer wieder seinen Ich-Anteil an der Situation bewusst

- fördern Sie sein Ich und den Bezug zu seiner eigenen Person (etwa durch die häufige Nennung seines Namens oder sehr persönliche Geschenke - z.B. einen Füller mit Namensgravur)

- ermuntern Sie es zu ausreichendem Egoismus

 

Beispiel für eine Du-Bezogene:

Daniela arbeitet in einer Buchhandlung und ist Mutter von drei Kindern. Ursprünglich wollte sie Literatur studieren, lernte aber kurz vor dem Abitur ihren jetzigen Mann kennen und ordnete ihm zuliebe ihre Berufsplänen den seinen unter. Kaum hatte sie die Buchhändler-Ausbildung beendet und dachte noch einmal an ein Studium, wurde sie schwanger und kümmerte sich fortan um ihre Zwillinge und den Haushalt. Die zwei Nachmittage in der Buchhandlung genießt sie, obwohl es viel zu tun gibt. Meist ist sie im Büro und im Lager zugange, dort kann sie selbständig ihren Aufgaben nachgehen - wird sie aber in den Laden gerufen, fällt ihr das Umschalten auf die Kunden sehr leicht. Sie ist eine gute Zuhörerin und rät meist treffend, welches Buch zu wem passt. Ihre Chefin ist selbstverständlich gut auf sie zu sprechen und hätte Daniela gerne öfters im Laden.

Ihrem Mann und ihrer Mutter gegenüber kann sie allerdings nur schwer verständlich machen, weshalb sie ohne Geldnot diese Arbeit behalten möchte. Auch wegen der zwei Kleinen hat sie meist ein schlechtes Gewissen, obwohl die Oma der beste Babysitter ist, den man sich wünschen kann. Sie weiß, dass sie viel ausgeglichener ist, wenn sie regelmäßig etwas für sich tut und nicht nur Ehefrau und Mutter ist. Dazu gehört für sie auch die Zeit frühmorgens, wenn ihr Mann und die Kinder noch schlafen - dann zieht sie sich in ihr eigenes Zimmer zurück, stöbert in ihren Büchern, schickt Mails an Freunde oder schreibt Tagebuch. Ihr Mann weiß, dass er sie dabei nicht stören darf und kümmert sich notfalls in dieser Zeit um die Kleinen, wenn diese ihre morgendliche Auszeit zu stören drohen.

 

Text aus: Winkler/Rudolph: Lösungsorientierte Menschenkenntnis - Psychographie für Einsteiger (2002).

 

Typenbilder der Grundtypen: Sachtyp/Zeittyp Handlungstyp Beziehungstyp

Typenbilder der Untertypen*:
Im Zeitbereich:
Vergangenheitsorientierte, Zukunftsorientierte, Gegenwartsorientierte
Im Tätigkeitsbereich:
Macher, Fühler, Denker
Im Beziehungsbereich:
Du-Bezogene, Ich-Bezogene, Wir-Bezogene

 * Die Untertypen-Ausprägungen kommen bei allen drei Grundtypen vor - wenn jedoch die Farben von Grundtyp und Untertyp übereinstimmen, verdeutlicht das die Ausprägung des Grundtyps (also z.B. ein vergangenheitsorientierter, Ich-bezogener Sachtyp, der zusätzlich Denker ist wäre die extremste Form des Sachtyps etc.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Copyright für alle
Seiten/Texte: Werner Winkler,
Fellbach, 2002-2006