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(Goethe)
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Sich selbst
und andere besser verstehen:
Welche Anwendungsfelder wurden bisher für die Psychographie entdeckt?
Ihre erste Anwendung fand die Psychographie in der "Integrierten Kurztherapie" von Dr. Dietmar Friedmann (ab ca. 1990). Außerdem lehrte er an einer Fachschule für Altenpflege den typgerechten Umgang. Durch seine Schüler und spätestens ab 1999 durch Gründung der Psychographie-Initiative e.V. wurden jedoch immer neue Anwendungsfelder entdeckt. Einige davon sollen hier kurz vorgestellt werden:
1. Psychotherapie/Psychologische Beratung Die Psychographie geht davon aus, dass jedem Persönlichkeitstyp spezielle Lösungswege (und Problemmuster) zu eigen sind. Daher versucht ein psychographisch arbeitender Therapeut, typgerecht auf seinen Klienten einzugehen. Durch Anwendung einer typgerechten Kommunikation entsteht erfahrungsgemäß rascher ein nützlicher Rapport und somit eine höhere Effizienz, unabhängig von der Therapieart. Ideal kombinieren lässt sich die Psychographie jedoch mit den lösungsorientierten Therapie- und Beratungsformen.
2. Coaching/Supervision Was für die Psychotherapie gilt, kann auch für den Bereich Coaching/Supervision gesagt werden. Darüber hinaus ermöglicht das Erkennen und Verstehen des eigenen Persönlichkeitstyps eine gezielte Persönlichkeits-Entwicklung. Der psychograpisch arbeitende Coach/Supervisor kann einerseits die Unterschiede zur eigenen Persönlichkeitsstruktur (und damit des Erlebens) wahrnehmen, andererseits aus dem Erfahrungsschatz des jeweiligen Typs Lösungsansätze beisteuern, die ihm selbst eher fremd sind.
3. Typgerechter Umgang mit (schwierigen) Kindern und Schülern Durch die Arbeiten von Christa Roller (ab 1999) und Susanne Freier (2002) angeregt wurde von verschiedenen Psychographen schon bald der Nutzen des typgerechten Umgangs mit Kindern wahrgenommen. Gerade in Gruppen oder Klassen mit "schwierigen" Kindern ermöglicht die Psychographie passgenaue Interventionen und gezielte Förderung des Einzelnen. Außerdem erkennen die agierenden Personen sich wiederholende Interaktionsmuster, die sich aus der Unterschiedlichkeit der Typen ergeben - diese können nun zum beiderseitigen Nutzen verändert werden. Forschungen zum typgerechten Umgang im Kindergarten betreibt Marion Thaiss, den Nutzen im Alltag mit behinderten Kindern Petra Vogel. Arbeiten zur Psychographie in der Pädagogik legten 2003 Gaby Vogelsang und Daniela Hofmann vor.
4. Personalberatung (bei Einstellungen und Team-Zusammenstellung) Durch das Erkennen der typspezifischen Unterschiede kann es gelingen, Personal gezielter dort einzusetzen, wo sich fachliche und menschliche Fähigkeiten optimal ergänzen (z.B. ist ein Du-Beziehungstyp ideal für einen Empfang, ein Handlungstyp-Macher dagegen eher auf einer Baustelle oder im Bundeskanzleramt zuhause. Ideal ist es, zuerst ein Profiling für die zu besetzende Stelle durchzuführen und dabei einen "Wunschkandidaten" aus psychographischer Sicht zu erarbeiten. Daraufhin werden die Bewerber nach dem Grundtyp vorsortiert und dann im Gespräch (neben der fachlichen Eignung) auch die erwünschten Bevorzugungen in den Unterbereichen (z.B. Vergangenheitsorientierung für die Empfangsdame, um sich die Namen der Besucher besser merken zu können). Gleiches gilt für die Zusammenstellung oder Ergänzung von Teams. Sind bereits ohne zwingenden Grund zu viele Mitarbeiter eines Typs beisammen, kann versucht werden, durch die fehlenden Typen einen Ausgleich und eine Abrundung des Kompetenz-Potentials zu erreichen.
5. Typgerechte Verkaufs- und Beratungsgespräche Für jeden psychographisch erfahrenen Verkäufer ist ersichtlich, dass etwa zwischen den Geschmäckern eines Beziehungs- und Handlungstypen in der Schuhmode Welten liegen. Hat man den Typ eines Kunden erkannt, liegt es nahe, ihm Modelle vorzustellen, die seinem Typ voraussichtlich besonders gefallen. Auch die Argumentation kann seinen Motiven und Wertmaßstäben angepasst werden. Zudem können die schlimmsten Fallen gegenüber den einzelnen Typen vermieden werden (z.B. einem Sachtypen zu viele Alternativen vorzulegen und ihn damit zu verwirren oder einem Beziehungstyp zu deutlich ein bestimmtes Produkt nahezulegen, dass er dann womöglich reflexartig ablehnt, obwohl er es bei freier Auswahl gekauft hätte).
6. Typgerechter Umgang mit Patienten in der Arzt- oder Heilpraktiker-Praxis Da auch der Arztbesuch zu den elementaren Lebensereignissen gehört (bei denen sich die Typunterschiede besonders deutlich zeigen), erkennen psychographisch Geschulte rasch den Persönlichkeitstyp ihrer Patienten und deren typspezifische Äußerungen. So wird ein Arzt etwa den Besuch einen Handlungstypen besonders ernst nehmen, da bekannt ist, wie spät diese bei Beschwerden Hilfe aufsuchen. Andererseits kann etwa das eher schwach entwickelte Problembewusstsein der Beziehungstypen durch entsprechende Ermahnungen gestärkt werden etc.
7. Typgerechte Werbung Finden sich in der Zielgruppe eines bestimmten Produkts besonders Angehörige eines einzelnen Persönlichkeitstyps (z.B. Handlungstypen-Bausparverträge), liegt es nahe, dies in der Ansprache- und Marketingstrategie zu berücksichtigen. Auch kann es unter Umständen erfolgssteigernd sein, eine Werbekampagne in dreifacher Ausfertigung zu planen, um möglichst für alle drei Grundtypen die passenden Argumente zu kommunizieren.
8. Mediation (Vermittlungsgespräche zwischen streitenden Parteien) Dr. Adelheid Schieke berichtet, dass sie bereits seit mehreren Jahren die Psychographie in ihre Arbeit mit einbezieht und dadurch bessere Erfolge erzielt als zuvor.
Weitere, noch nicht/wenig genutzte Anwendungsfelder Weitere Felder zur Anwendung der Psychographie finden sich überall dort, wo es um den Umgang mit Menschen oder deren Zusammenleben geht, z.B. Sozialarbeit, Diplomatie, Paarkommunikation, Partnerwahl, Kriminalistik, Politikberatung, Sportpsychologie etc. Das psychographische Modell entfaltet nur in Kombination mit den jeweiligen Aufgaben seine Wirkung. Es ist als 'Meta-Modell' mit der Mathematik vergleichbar, die für sich genommen für die meisten Menschen eher langweilig erscheint, im alltäglichen Leben jedoch einen unschätzbaren Wert darstellt, wenn man sie erst einmal beherrscht. Grundsätzlich
betrachtet befasst sich die Psychographie mit vielen
Themenbereichen, z.B. Autor/alle Rechte: Werner Winkler, Juni 2003
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